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Ausstellung „Industriearchitektur in Sachsen. erhalten – erleben – erinnern“

16. Juni–11. September 2019 im Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst

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„Die künftige Entwicklung unserer Städte und unserer Gesellschaft hängt von der Wertschätzung und dem Verständnis der physischen Errungenschaften der Vergangenheit ab.
David Chipperfield, Architekt

Das Zitat David Chipperfields erklärt die Motivation der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen, diese Ausstellungsidee gemeinsam mit dem Werkbund Sachsen zu entwickeln. Bereits seit 2011 tourt die Ausstellung durch das Land, um in den verschiedenen Regionen den offenen Austausch über stadtbildprägende Industriebauten und Konzepte für deren Erhaltung und Nutzung anzuregen. Jeder Ausstellungsort hat das Projekt bereichert.

Die faszinierenden Architekturaufnahmen des Leipziger Fotografen Bertram Kober veranschaulichen ein für Sachsen prägendes Kapitel – das Industriezeitalter. Es gibt kaum eine sächsische Region, die nicht mit Industriegeschichte verbunden ist, kaum ein Stadtbild ohne historische Industriebauten. Vorbildhafte Nutzungsideen werden ebenso vorgestellt wie akut gefährdete Gebäude.

Die Initialzündung für dieses Projekt gab das 2010 erschienene Buch „Industriearchitektur in Sachsen. Erhalten durch neue Nutzung“ von Bernd Sikora. Der Ausstellung vorangestellt ist eine Einführung zur Industrie-Bau-Geschichte. Ausgehend von den Regionen Chemnitz, Dresden und Leipzig ergänzt jeder Ausstellungsort neue Perspektiven und Facetten.

Ein Begleitband zur Ausstellung mit Bertram Kobers Aufnahmen zu Sachsens Industriearchitektur erschien 2016 beim Verlag der Kunst Dresden und ist im Buchhandel erhältlich. Kobers Bilder sind geprägt von einer ausgewogenen Balance aus Sachlichkeit und Emotionalität. Durch seinen Fokus gewinnen die zum Teil dringend erhaltungsbedürftigen Bauten Kraft und Würde.

Damit eine innovative Nutzung des industriearchitektonischen Erbes gelingt, ist ein enges Zusammenwirken von Akteuren aus Wissenschaft und Forschung, Architektur, Stadtplanung und Denkmalpflege, Kultur und Tourismus sowie Gewerbe und Industrie erforderlich. Vieles konnte bereits erreicht werden. Umso bedauerlicher ist es, dass während der nunmehr achtjährigen Ausstellungslaufzeit weitere, durchaus sanierungsfähige Bauten abgerissen wurden.

Wichtig für den Erhalt der stadtbildprägenden Industriebauten sind kreative Strategien für eine überbrückende mittelfristige Sicherung oder gegebenenfalls Zwischennutzungen. Eine Abkehr vom Denken in extremen Positionen – „Abriss vor Erhalt“ oder perfektionistische Komfortsanierung – wird notwendig. Hier bedarf es neuer Herangehensweisen, die dem rein rechnerisch oft preiswerter erscheinenden Paket aus Abriss und Neubau stets eine energieökologische sowie stadtkulturhistorische und ästhetische Gesamtbewertung des Vorher und Nachher voranstellen.

Investitionen in Stadtbild- und Stadtraumästhetik lohnen sich auf Dauer, lassen sich aber selten exakt berechnen. Kreativität und Improvisation geben Raum für Ideen künftiger Generationen. Ihnen diese Bauten in einem verträglichen Erhaltungszustand zu übergeben, ist Auftrag und Verpflichtung.

 

„Industriearchitektur in Sachsen. erhalten – erleben – erinnern“

16. Juni–11. September 2019

Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst
Wigardstraße 17 • Dresden

MontagFreitag 818 Uhr

Eintritt frei

Schlagwörter

  • Industrie
  • Fotografie
  • Architektur
  • Denkmal