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Neuer Leitfaden: "Umgang mit menschlichen Überresten in Museen und Samlungen"

Deutscher Museumsbund publiziert neuen Leitfaden

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Der Deutsche Museumsbund publiziert den Leitfaden „Umgang mit menschlichen Überresten in Museen und Sammlungen“. Die Praxishilfe beantwortet Fragestellungen entlang der musealen Aufgaben Sammeln, Bewahren, Forschen, Ausstellen und Vermitteln sowie zur Rückgabe von menschlichen Überresten an ihre Herkunftsgesellschaften. Gleichzeitig schärft die Publikation das Bewusstsein für die ethische Dimension beim Umgang mit diesem sensiblen Sammlungsgut. Die Publikation ist in deutscher, englischer und französischer Sprache verfügbar.   

Menschliche Überreste werden in vielen deutschen Museen und Sammlungen bewahrt. Der angemessene Umgang mit diesem sehr sensiblen Sammlungsgut ist für Museen und Sammlungen ein Thema von großer Bedeutung, insbesondere im Kontext der Diskussion zu kolonialem Sammlungsgut und im Zusammenhang mit Rückgabeforderungen der Herkunftsgesellschaften.   

Bereits 2013 veröffentlichte der Deutsche Museumsbund den Leitfaden „Umgang mit menschlichen Überresten in deutschen Museen und Sammlungen“ und lieferte damit dringend benötigte Empfehlungen für die Museen. Eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe beim Deutschen Museumsbund hat die Publikation nun umfangreich überarbeitet. Die Neufassung wurde auch um eine internationale Perspektive erweitert.   

Prof. Dr. Eckart Köhne, Präsident des Deutschen Museumsbundes: „Mit dem Leitfaden bieten wir Trägern sowie Entscheidern in Museen und Sammlungen klare Regelungen und Arbeitshilfen im Umgang mit menschlichen Überresten und stärken das grundlegende Verständnis für den Umgang mit diesem sensiblen Sammlungsgut. Darüber hinaus ist es uns ein Anliegen, für Sichtweisen aus Herkunftsgesellschaften zu sensibilisieren und den internationalen Dialog zum Thema zu fördern.“   

Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Kulturstaatsministern Prof. Monika Grütters, erklärt dazu: „Die Aufarbeitung der Kolonialgeschichte Deutschlands ist Teil einer konsequenten Erinnerungskultur, die großen Anteil hat am mittlerweile wieder hohen Ansehen Deutschlands in der Welt. Die Erforschung der Herkunft menschlicher Überreste und der Umgang mit Rückgabeforderungen vielfältiger Kulturgüter erfordern Sensibilität und haben höchste Priorität. Der Leitfaden bietet dafür wertvolle Orientierungs- und Entscheidungshilfen. Der Deutsche Museumsbund leistet mit der Aktualisierung des Leitfadens einen wichtigen Beitrag zur Auseinandersetzung mit unserem kolonialen Erbe, den der Bund gerne gefördert hat.“  

Der Leitfaden beantwortet relevante Fragen zum Umgang mit menschlichen Überresten entlang den Hauptaufgaben eines Museums: Sammeln, Bewahren, Forschen, Ausstellen und Vermitteln.  

Er erläutert zentralen Begrifflichkeiten, wie etwa den Unrechtskontext und verdeutlicht deren Bedeutung für den praktischen Umgang mit mens​chlichen Überresten. Darüber hinaus bietet der Leitfaden mit Hintergrundinformationen aus verschiedenen Fachdisziplinen differenzierte Zugänge zum Thema. Darunter finden sich etwa Beiträge aus der Archäologie, der biologischen Anthropologie, der Ethnologie und der Rechtswissenschaften.   

Ein eigenes Kapitel ist dem Thema Rückgaben gewidmet. Der Leitfaden zeigt auf, wie wichtig es für die deutschen Museen ist, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen und veranschaulicht, was in Hinblick auf die Rückgabe von menschlichen Überresten in der Praxis zu beachten ist.   

Prof. Dr. Wiebke Ahrndt, Leiterin der Arbeitsgruppe und Direktorin des Übersee-Museums Bremen: „Mit dem Leitfaden möchten wir die Bereitschaft der Museen stärken, menschliche Überreste zurückzugeben. Statt eines unbedingten Rückgabegebotes empfiehlt der Deutsche Museumsbund jedoch eine grundlegende Offenheit für Rückgaben, ein möglichst transparentes und proaktives Vorgehen sowie fundierte Einzelfallprüfungen“.   

 

Der Leitfaden steht unter www.museumsbund.de zum Download zur Verfügung.